Sonntag, 15. April 2012

Die Piraten und das fleischlose Schnitzel

Wer hätte das denn gedacht? Die Dynamik des eigenen Erfolgs droht die Piraten zu überrollen: In atemberaubendem Tempo werden Landesverbände und regionale Strukturen aufgebaut, kompetente Kandidaten für Landtags- und Kommunalwahlen aus dem Hut gezaubert und selbstverständlich auch inhaltliche Positionen formuliert. Nun berichtet der Spiegel über die Copy-and-Paste-Piraten, die im Landtagswahlkampf in Schleswig-Holstein mit einem in bester zu Guttenberg Manier erstellten Wahlprogramm um die Gunst der Wähler werben. Bei dem rasanten Wachstum in kürzester Zeit ist diese Tatsache nicht weiter verwunderlich, zumal sich auch andere Parteien in ähnlicher Weise aus den Programmen anderer Landesverbände zu bedienen pflegen. Aber waren es nicht die Piraten, die anders sein wollten, als die etablierten Parteien? Sollten sich die selbsternannten Erneuerer der politischen Kultur in Deutschland am eigenen Anspruch messen lassen wollen, so wäre das ein glattes Eigentor, denn in ihrer "Vorstellung der Urheberrechtspositionen" tönen die Bundespiraten: "Sich mit fremden Federn zu schmücken ist glatter Betrug, den wir scharf verurteilen."
Dass der Landesverband Schleswig-Holstein auch noch mit dem Slogan "Piraten Schleswig-Holstein ...jetzt mit mehr Inhalt" wirbt, gibt dem Ganzen eine leicht satirische Note. Nur, für Satire in der politischen Parteienlandschaft war doch schon vor den Parteien eine andere Gruppierung zuständig, "Die Partei" um Titanic Redakteur Martin Sonneborn.

Irgendwie scheinen die Piraten mit ihrer erfrischenden Art all diejenigen anzusprechen, die sich neuen Wind in der Politik wünschen und in den kurzlebigen Zeiten von Facebook und Co. schnell ein "Gefällt mir" klicken, ohne sich die Zeit zu nehmen, den schönen Schein zu hinterfragen. Schließlich glaubt man am ehesten das, was man gerne glauben möchte. Kommt als nächste Stufe etwa die Facebook Partei und die Wahlen erfolgen über den nicht mehr wegzudenkenden Like-Button?

Apropos Schein: Einen interessanten Artikel über ein Forschungsprojekt des Fraunhofer Instituts habe ich vor einigen Tagen gefunden, der schon einige Wochen alt ist, aber wohl nicht das große Interesse der Medien und sozialen Netzwerke erweckt hat, um sich schnell zu verbreiten. Die Forscher haben ein vegetarisches Schnitzel entwickelt, das in Konsistenz und Geschmack seinem fleischigen Vorbild nahekommt, aber eben aus rein pflanzlicher Herstellung stammt. Mit dem ehrgeizigen Ziel, eine echte Alternative zum Fleisch in der Ernährung der Konsumenten zu bieten, kann dieses Projekt durchaus einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt leisten, denn schließlich ist die kommerzielle Nutztierzucht nicht gerade als ressourcenschonend bekannt.

Ob die Piraten hingegen eine nachhaltige, bessere Alternative zu den etablierten Parteien sein können, müssen sie erst beweisen und damit rechnen, dass kritische Blicke und das Hinterfragen der Positionen zunehmen, je länger ihr Höhenflug andauert.

Montag, 9. April 2012

Es dichtete der Günter krass

"Ich schwieg zu lang", dacht' Günter Grass
und griff zu seiner Feder,
"da wird vor Neid noch mancher blass!"
Dann zog er ab vom Leder.

Lange war es still um Günter Grass, den Literaturnobelpreisträger und kritischen Geist, der gerne mal aneckt und den Finger in so manche gesellschaftliche Wunde legt. Fast hätte man meinen können, der alte Mann hat sich endgültig zu Ruhe gesetzt und genießt seinen Lebensabend in ländlicher Idylle. Doch dann, irgendwie unerwartet und überraschend, erscheinen in der Süddeutschen Zeitung ein paar Zeilen unter dem Deckmantel der Literatur als "Gedicht" getarnt, die den Schriftsteller plötzlich in die Schlagzeilen katapultieren. Der Aufschrei quer durch alle Medien breitet sich rasend schnell aus, gefühlt ist der Rummel noch größer, als seinerzeit bei der Nobelpreisvergabe.

Der Erfolg des Gedichts von literarisch mehr als zweifelhaftem Wert dürfte in manchen, nach der idealen viralen Verbreitung suchenden, Marketingstrategen Neid aufkommen lassen. Doch wie konnte es dazu kommen? An der Bedeutung für die Weltliteratur kann es kaum liegen, der wohl bekannteste deutche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki nennt das Gedicht literarisch und politisch wertlos, und so gut wie jedes andere Werk von Günter Grass stellt es in den Schatten. Wäre ein anderer Autor Schöpfer dieser Zeilen gewesen, hätten sie noch nicht einmal Platz als Lückenfüller in einem kostenlosen Anzeigenblatt gefunden. Es ist vielmehr die Mischung aus der Biographie von Grass (ehemaliges SS-Mitglied), dem Thema (die Rolle Israels im Nahostkonflikt) und so manch äußerst gewagter These (Israel plane einen atomaren Erstschlag gegen den Iran), die in ihrer Brisanz die Explosivität aufbaut, nach der Medien und Medienkonsumenten lechzen. Hat Günter Grass gezielt mit diesen Zutaten gespielt, um ins Rampenlicht zu gelangen? Für einen Schriftsteller ist es heute in der schnelllebigen Medienlandschaft mehr denn je wichtig, im Gespräch zu bleiben - also doch nur eine geniale Marketingaktion? Irgendwie passt dieser Gedanke nicht zu Günter Grass und erst recht nicht zu einem Literaturnobelpreisträger jenseits der 80. So wollen wir dem alternden Schriftsteller gerne glauben, dass ihm der Nahostkonflikt am Herzen liegt, er vor einer Eskalation durch einen militärischen Präventivschlag warnen und die Diskussion über die unkalkulierbaren Gefahren eines Konflikts atomar bewaffneter Erzfeinde in der Politik anstoßen möchte.

An den vielen unterschiedlichen Reaktionen erkennt man jedoch, das sich kaum jemand mit dem Inhalt des Gedichts auseinandersetzt, als vielmehr mit der Person Günter Grass und ihren Beweggründen, so dass sich letztendlich nur noch eine Frage aufdrängt: Warum schwieg er nicht noch etwas länger?

Dienstag, 28. Februar 2012

Angies Abenteuer(un)lust

Politiker sind bekanntlich immer für sprachliche Leckerbissen der besonderen Art zu haben. Im Plenum des Bundestags scheint es manchmal einen regelrechten Wettkampf um die geistreichste, witzigste und pointierteste Formulierung zu geben und manch einer versucht gleich in allen drei Facetten zu Punkten.

Ganz anders tickt da unsere Bundeskanzlerin: Angie bleibt in ihrer bekannt trockenen, sachlichen Art eine Freundin des deutlichen Wortes, wenngleich die Deutlichkeiet beim genaueren Hinhören oder Lesen für den einen oder anderen wieder einer gewissen Nebulosität weicht. Bei der gestrigen Debatte zum wer-weiß-noch-wievielten Griechenlandrettungspaket hat Angela Merkel einen staatstragenden Satz gesprochen, der zur Beruhigung des verunsicherten Bürgers beitragen sollte: Als Bundeskanzlerin muss ich Risiken eingehen. Abenteuer aber darf ich nicht eingehen. Das verbietet mein Amt." So stelle ich mir eine fürsorgliche und weitsichtige Regierungschefin vor: Stets das große Ganze im Blick und nur die Risiken eingehen, die mit den Interessen des eigenen Landes vereinbar sind bzw. aus Sicht seiner Bürger vertretbar sind. Ja keine Abenteuer!

Nachdem sich das mächtige Wort etwas gesetzt hat und der erste vielleicht klare Gedanke den Weg daran vorbei schafft, stellt sich die Frage: Was ist Risiko und was ist Abenteuer? Leicht verunsichert ob meiner Unwissenheit werfe ich einen Blick in das Internet Orakel, das in solchen Fällen immer eine Antwort kennt: Wikipedia. Ich lese dort "Als Abenteuer wird eine risikoreiche Unternehmung oder auch ein Erlebnis bezeichnet, das sich (meistens) stark vom Alltag unterscheidet". Ich lese also "risikoreiche Unternehmung" und in meinen Ohren hallt noch Angies "Als Bundeskanzlerin muss ich Risiken eingehen. Abenteuer aber darf ich nicht eingehen" - die Verunsicherung wächst. Doch dann finde ich schließlich eine Erklärung, die mich wieder ruhig schlafen lässt: Um nach Wikipedia als Abenteuer zu gelten, müsste das riskante Unterfangen, in das fast-pleite Griechenland immer neues Geld zu pumpen, etwas ausßergewöhnliches, nicht alltägliches sein... und das ist es nach dem dritten oder vierten mehr oder weniger glücklichen Versuch mittlerweile wahrhaftig nicht mehr! Und schon ist mein Vertrauen in Wort und Tat der Bundeskanzlerin wiederhergestellt und fast beschleicht mich ein leichtes Schuldgefühl, dass ich je daran zweifeln konnte.

Dienstag, 21. Februar 2012

Zucht und Ordnung in Bellevue

Kaum haben sich die Berliner Politspitzen auf einen Nachfolger für das Amt des Bundespräsidenten geeinigt, gerät die verkrampft öffentlich zur Schau gestellte Harmonie der fast endgültig gescheiterten Koalition ins Wanken: Nein, es ist diesmal nicht die FDP, sondern der erste Sittenwächter aus der CSU, Norbert Geis. Dieser empfiehlt dem Designierten "seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen" und spielt damit auf die uneheliche Beziehung des Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten an. Gauck möge seine Lebensgefährtin heiraten, denn eine Wochenend-First-Lady sei vermutlich nicht mit dem christlichen Weltbild des Herrn Geis vereinbar. Ob sich Joachim Gauck tief beeindruckt schon nach einem Termin beim Standesamt erkundigt hat, ist bisher nicht bekannt, es darf aber bezweifelt werden, zumal er eigentlich noch mit der Mutter seiner Kinder verheiratet ist, von der er allerdings getrennt lebt.

Eines steht jedoch fest: Einer hat es so mal wieder ins Rampenlicht geschafft, der Hüter der Moral und Retter des Abendlandes vor dem totalen Werteverfall, Nobert Geis.

Sonntag, 15. Januar 2012

Sex-sells im Männerverein FDP

Die Heißluftblase der letzten Woche hat sich eine FDP-Politikerin verdient, von der ich bisher ehrlich gesagt noch nie etwas gehört habe. Vermutlich liegt das auch daran, dass sich die Reihen in der zweieinhalb Prozent Partei zunehmend lichten und folglich in der Vergangenheit wenig beachtete Stimmen Gehör finden. Wer weiß, vielleicht wird es bald auch ganz still um die FDP...

Also die Dame, die sich um die Heißluftblase verdient gemacht hat, heißt Doris Buchholz, ist die Bundesvorsitzende der Liberalen Frauen und hat vor kurzem in einem Interview in der Frankfurter Rundschau die FDP als "Männerverein" bezeichnet. Das allein ist noch nichts besonderes, denn schließlich wissen wir schon über Brüderle, dass er sich ungern mit Schwesterles in Führungspositionen umgibt. Bemerkenswert finde ich vielmehr folgende Aussage von Frau Buchholz: „Ich habe schon erlebt, dass man mir gesagt hat, man möchte gut aussehende Frauen auf Wahlplakaten – nach dem Motto: Sex sells“. Die Vermutung liegt nahe, dass damit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht die Plakate von Birgit Homburger oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gemeint sein können. Mit der FDP verbindet man auch eher die "Partei der Besserverdiener", die 18% Kampagne inklusive Guido-Mobil oder den gerade wieder an Aktualität gewinnenden "Fast-Drei-Prozent" Witz, aber nicht zwingend Wahlplakate mit gut aussehenden Frauen.

Doch wer weiß, welche Strategien die Visionäre des "Männerclubs" im Quotenkeller aushecken, um nicht endgültig in der Bedeutungslosigkeit zu versinken: Werden wir bald Zeugen von "Liberals next Super-Beauty", einer Castingshow in der eine Jury unter Leitung von Frau (Dr.?) Koch-Mehrin das neue Gesicht der FDP findet, das der Boygroup um Rösler, Döring und Bahr featuring Old-Star Brüderle zu neuem Glanz verhilft? Ein Schönheitsfehler bleibt allerdings: Sex sells setzt voraus, dass es etwas zu verkaufen gäbe - und da fällt einem zur FDP derzeit herzlich wenig ein.

Sonntag, 8. Januar 2012

Christian Wulff, Lukas Podolski und die amerikanische Wissenschaft

Die mittlerweile zur Tragikomödie mit realsatirischen Zügen verkommene Berichterstattung um unseren Bundespräsidenten und seine Kredit-, Drohanruf- und wer-weiß-was-noch-Affären beschäftigt das ganze Land quer durch alle Gesellschaftsschichten, politischen Gruppierungen und selbstredend auch alle Publikationen egal welcher Couleur. Wünschen sich die einen endlich Ruhe und ein professionelles Krisenmanagement im Schloss Bellevue, so können es andere in voyeuristischer Vorfreude kaum erwarten, die nächste Enthüllung verbunden mit den abenteuerlichsten Spekulationen als "breaking-news" via Twitter, Facebook & Co. zu erfahren und verbreiten. So löste das eher missglückte Interview in ARD und ZDF (dazu haben alle Beteiligten gleichermaßen beigetragen) für eine regelrechte, wenn auch kurzfristige, Twitter Welle und über Facebook verabredete man sich zur "Zeig dem Wulff den Schuh" Demo vor dem Sitz des Bundespräsidenten. Inspiriert von den Demonstranten in Ägypten vor einem Jahr, die Mubarak schuheschwenkend aus dem Amt getrieben haben, sollte auf diese Weise Christian Wulff zum Rücktritt bewegt werden. So kamen einige hunderte eifriger Demonstranten zusammen, die brav mit deutscher Gründlichkeit einen dritten Schuh mitgebracht haben, um selbigen in die Höhe zu halten und gleichzeitig keine kalten Füße zu bekommen. Allein den Bundespräsidenten hat das wenig interessiert und besonders originell war die Aktion auch nicht, schließlich wurde bereits Ex-Minister zu Guttenberg zu Ehren ein fast identisches Event veranstaltet. Also warten wir's ab, der nächste Akt kommt bestimmt - und sei es der Schlussakt.

Im Gegensatz zu Christian Wulff gibt es einen, der ganz gerne den Schuh gezeigt bekommen würde, er möchte nämlich selbigen machen: Lukas Podolski alias Prinz Poldi, der beim FC Köln nicht mehr ganz glücklich ist. Und auch da regt sich Widerstand gegen seine Abwanderungspläne, wenn es auch (noch) keine über Facebook organisierte Demo auf Poldis Schuhe abgesehen hat und diese dauerhaft ans Geißbockheim festschnüren will. Interessanterweise kommt dieser aus der Politik und zwar in Person des nordrhein-westfälischen Finanzministers Borjans, der in einem - natürlich offenen, er ist ja schließlich Politiker im Dauerwahlkampf - "Bettel-Brief" als eingefleischter Fan des FC Köln Podolski bittet, zu bleiben und sogar mit einem Derby der ganz besonderen Art in der nächsten Saison gegen Düsseldorf lockt. Poldi lässt sich bisher auch von diesen Argumenten nicht erweichen und so bleibt seine Zukunft weiterhin offen. Auch hier werden wir mit Sicherheit den nächsten Akt in Kürze mitbekommen - ob wir es wollen oder nicht.

Eine dritte ist mir letzte Woche beim Querlesen untergekommen, und das ist die mit Abstand interessanteste: Ein Forscherteam der Cornell University hat es geschafft, quasi ein Loch in die Zeit einzubauen, so dass ein Ereignis, das in der Zeitlücke stattfindet, praktisch nicht existiert hat. Hä? Das ist sicherlich die Reaktion der meisten darauf, aber die Tagesschau Redaktion hat sich die Mühe gemacht, das für Laien verständlich wiederzugeben.

Welchen praktischen Nutzen könnten wir daraus ziehen? Leider derzeit noch keinen, aber wenn wir uns einen wünschen dürften: Wie wäre es mit einer Zeitlücke von dreieinhalb Jahren, in denen Christian Wulff Bundespräsident bleibt, wir alle davon aber nichts mitbekommen? Oder wie wäre es mit einer anderen, in der Lukas Podolski zum FC Chelsea oder zu Real Madrid wechselt und so zu seinem Auslandsengagement kommt, ohne dass die FC Fans und allen voran Herr Borjans auf ihn verzichten müssten? Da tun sich wahrhaftig neue Perspektiven auf!

Montag, 2. Januar 2012

Frohe Weihnachten, 7 Personen gefällt das

Feiertage unbeschadet überstanden? Gut und voller unerfülllbarer Vorsätze verkatert im neuen Jahr gelandet? Dann kann das Chaos weiter seinen Lauf nehmen...
Wurde auch Zeit, dass Normalität einkehrt, denn die Flut an gebroadcasteten mehr oder minder sinnhaften Meldungen - insbesondere übers Gesichtsbüchl - war in den letzten Tagen schier unerträglich: "Frohe Weihnachten", 7 Personen gefällt das, 1 Kommentar ("Danke, wünsche ich dir auch"), "Gutes Neues", 5 Personen gefällt das usw.
Ich frage mich, was genau gefällt den 7? Dass Weihnachten ist? Oder dass Herr A. aus B. der ganzen Welt seine Wünsche übermittelt? Und warum gefällt das gute neue Jahr weniger "Freunden" als die frohe Weihnachtsbotschaft? Möglicherweise muss Herr A. aus B. sich gar Sorgen um seine Wirkung auf die sozial-netzwerklich relevante Zielgruppe machen? Dann empfiehlt sich eventuell ein Blick auf die wahren Größen des sozial-vernetzt-Seins, wie etwa Herr D. aus T. Wenn die community an seinen digitalen Lippen hängt und sehnsüchtig auf die nächste Offenbarung wartet, hilft nur eins: Schonungslose Offenheit. Das Ergebnis: "Was bin ich müde!", Donnerstag, 23:59 in der Nähe von T., 4 Personen gefällt das. Nein Herr D. geht nicht einfach schlafen, Herr D. ist gewissermaßen verschmolzen mit seinen "Freunden" und läßt diese an seinem Leid teilhaben ... und die danken es mit erhobenen Daumen. Auf den Kommentar "Geh schlafen und halt deine digitale Fresse" habe ich übrigens vergeblich gewartet, passt irgendwie auch nicht in die Welt der harmonischen Freundschaften, deren Schein soziale Netzwerke gerne pflegen.

Der wahre Gesichtsbüchel-Profi hat noch eine Steigerung der Verbreitung unpersönlicher Glückwünsche parat: Er teilt die anderer, schließlich ist deren Allgemeingültigkeit und Wiederverwendbarkeit garantiert, so dass sich jeder seiner eigenen 2489 "Freunde" gleichermaßen (nicht) angesprochen fühlen kann. Das Verständnis der 2489, dass dieses der einzige Weg des globalen Freundemanagements sein kann, gilt als sicher.